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Umbau und Sanierung

Das Ministerialgebäude war während des Zweiten Weltkriegs weit weniger beschädigt worden, als etliche andere historische Bauten Dresdens. Vom Krieg gezeichnet waren vor allem Westtreppenhaus und Dach. Dennoch genügten die Verhältnisse im Gebäude nach der Friedlichen Revolution nicht mehr den Ansprüchen des Sitzes einer Staatsregierung und ihrer Ministerien. Die Entscheidung das Gebäude für den Einzug des Ministerpräsidenten und der Staatskanzlei zu sanieren, fiel noch im August 1990. Für das ehemalige Gesamtministerium sprachen die schnelle Nutzbarkeit und die zentrale Lage des Hauses. Dessen Fassade wurde im Zuge der äußeren Instandsetzung originalgetreu wiederhergestellt. Auch die 600 Kilogramm schwere goldene Krone wurde wieder auf die Spitze des Mittelbaus gesetzt. Nach 1945 war die Krone beseitigt und durch eine Friedenstaube ersetzt worden. Die Restauration des einst Königlich-Sächsischen Staatsymbols war keine Äußerung neuer politischer Ansprüche, sondern erfolgte allein aus denkmalpflegerischen Beweggründen.

Das Ostreppenhaus während der Instandsetzung, 1998

Das Ostreppenhaus während der Instandsetzung, 1998
(© SMF Broschüre »Sächsische Staatskanzlei«)

Im Inneren präsentierte sich das Haus nach der Friedlichen Revolution in unterschiedlichem Zustand. Die Großzügigkeit der Anlage aus der Zeit um 1900 wurde durch zahlreiche Verbauungen in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Treppenhäuser in den Seitenflügeln waren durch Einbau des Plenarsaals des Rates des Bezirks Dresden bzw. eines Rechenzentrums stark verändert worden. 1994 begann mit dem ersten Bauabschnitt die Sanierung des Nordwestflügels. 24 Monate später wurden die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt am Südwestflügel und am südlichen Mittelbau aufgenommen. Der Dritte Bauabschnitt galt der Wiederherstellung des Nordostflügels, des Südflügels und des nördlichen Mittelbaus. Im Rahmen des vierten und letzten Bauabschnitts wurde der westliche Gebäudeteil erneuert, den heute das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft nutzt.

Ziel der Sanierungsarbeiten war es einerseits die wesentlichen Räume wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen, andererseits aber auch funktionellen Ansprüchen einer modernen Behörde gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsverhältnisses wurde z.B. die Einordnung von Aufzügen im zentralen Bereich rege diskutiert. Man entschied sich für die Lösung des Architekten Sandro Graf von Einsiedel, der gläserne Aufzüge in der westlichen und östlichen Peripherie der zentralen Halle vorsah. Vor Baubeginn 1990 wirkte die zentrale Halle noch sehr düster. Durch den Mittelkranz von 4,60 Meter Durchmesser und weitere passende Leuchten konnte der Raum aufgehellt werden. Restauriert wurden auch die Gemälde mit den Pelikanen und Löwen.

Großer Sitzungsaal »Bienenkorb« (links) während der Instandsetzung 1990 und Wandbemalungen (rechts)

Großer Sitzungsaal »Bienenkorb« (links) während der Instandsetzung 1990 und Wandbemalungen (rechts)
(© SMF Broschüre »Sächsische Staatskanzlei«)

Im Erdgeschoss wurde ein modernes Media- und Bürgerzentrum eingerichtet. Direkt unter dem »Bienenkorb« gelegen, ist der Raum zentral und leicht erreichbar und wird neben seiner Hauptnutzung zu Pressekonferenzen z.B. als Vortragsraum für Besuchergruppen oder als Fernsehstudio genutzt. Der große Sitzungssaal selbst stellte aufgrund seiner hochwertigen Gestaltung besondere Herausforderungen an die Restauratoren. Die geschnitzten Täfelungen mussten freigelegt und erneuert, die nur in Fragmenten erhalten laubenartigen Malereien komplett restauriert werden. Nach dem Ende der Arbeiten ist nun die aufgrund der blau-grünen Wand- und Deckenbemalung spannungsvolle, aber gleichzeitig warme Atmosphäre des »Bienenkorbs« wiederhergestellt.
 
Die Büros sind durchgängig in weiß gehalten. Bodenbelag und Sockelleisten entsprechen den in den Fluren verwendeten Materialien. In den ehemaligen Kassen- und Tresorräumen des Sockelgeschosses wurden Speisesaal und Kantine untergebracht. Die Kosten der Sanierung und Restaurierung beliefen sich auf 46,1 Millionen Euro. Zuvor waren im ersten Bauabschnitt 5,1 Millionen Euro in Leistungen zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Sächsischen Staatsregierung investiert worden.

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Das Gebäude der Sächsischen Staatskanzlei

Weitere Fotos

Die 600 Kilogramm schwere goldene Krone auf der Spitze des Mittelbaus

Die 600 Kilogramm schwere goldene Krone auf der Spitze des sanierten Mittelbaus

Friedenstaube auf dem Mittelbau zu DDR-Zeiten

Friedenstaube auf dem Mittelbau

Bürgerbüro beim Ministerpräsidenten

Das Bürgerbüro des Ministerpräsidenten

© Sächsische Staatskanzlei