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Historische Gestalt

Westflügel mit dem Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts

Westflügel mit dem Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts
(© Das Ministerialgebäude in Dresden (1907) / Sächsische Staatskanzlei)

Der Baustil ist dem Neobarock zuzuordnen, wobei Einzelformen der Jugendstil anhaftet. In einem 1907 von der Bauleitung herausgegeben Band über Entstehung und Nutzung des Hauses schreibt Dr.-Ing. Mackowsky, die Bauherren wollten eine Architektur, »die in den reiferen Formen des heimatlichen Barock auch von den vergangenen Zeiten redet und damit das neue Gebäude dem Herzen des Volkes nahe bringt«. Um die Beziehung zu den barocken Prachtbauten der Altstadt und dem unmittelbar gegenüberliegenden Finanzministerium herzustellen, entschied man sich für die Verwendung von Postaer Sandstein.

Die Eingliederung in den Stadtraum ergibt sich aus drei Faktoren des Baugrunds: Der Lage an Elbe und Carolabrücke sowie der geplanten Nutzung durch drei Ministerien. Die Frontseite des Gebäudes erstreckt sich über 154 Metern Länge am Elbufer. Hier befindet sich auch der Haupteingang, 1905 Zugang zum Innenministerium, dem wichtigsten der drei Ministerien im Gebäude. An die zwei durch einen emporgehobenen Querbau verbundenen Langhäuser stoßen zu beiden Seiten verschieden lange Flügelbauten. Hier befanden sich die Eingänge zu den anderen Ministerien: Am Carolaplatz der zum Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, von der heutigen Archivstraße her gelangte man ins Justizministerium. Auf seiner Rückseite öffnet sich das Gebäude zur Stadt hin mit einer Art Gartenhof. Als solcher wurde er aber nie genutzt und stellt eher eine Erweiterung des Straßenraums dar.

Von der Carolabrücke als Mittelachse her gesehen, sollte das Gesamtministerium ein Gegengewicht zur schweren Masse des Finanzministeriums bilden. Auf Einzelformen wurde daher fast gänzlich verzichtet und ein schweres Sockel- und Erdgeschoss errichtet. Die darüber liegenden Stockwerke sind davon nur mit durchgehenden Lisenen getrennt. Ornamente befinden sich nur an wenigen ausgewählten Stellen an den Mittelvorlagen der vier Fronten. Seitlich der Portale prangen jeweils zwei Löwenköpfe, in der Mitte des Türbogens das sächsische Wappen. Der weitere figürliche Schmuck bezieht sich jeweils auf das Verwaltungsgebiet der drei alten Ministerien. Um die enorme Längenausdehnung etwas zu mildern, wurden die Eckbauten betont und hochgezogen. Ebenso hochgezogen wurde das Oberlicht des Mittelbaus für die zentrale Erschließungshalle. Die Spitze der Halle krönte das damalige Staatssymbol: Die Königlich-Sächsische Krone.

Auch bei der Gestaltung des Inneren setzten die Architekten auf relativ einfache und sachliche Formen ohne die beabsichtigte staatstragende Wirkung zu verfehlen. In den großen Bögen der 25 Meter hohen zentralen Halle sitzen als Schlusssteine die Wappen der Städte der alten Kreishauptmannschaften: Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Bautzen. Des Weiteren finden sich hier die Tiersymbole Hahn, Adler, Eule und Rabe für Wachsamkeit, Stärke, Weisheit und Klugheit. In den oberen Schildbögen befindet sich je ein Pelikan, der seine Jungen nährend Symbol staatlicher Führsorge ist. Den barock geschwungenen Giebel über der Eingangstür zum großen Sitzungssaal ziert ein Bienenkorb als Symbol des Fleißes.

Der große Sitzungssaal in der Mittelachse des Nordflügels im ersten Obergeschoss war auch der am anspruchsvollsten und repräsentativsten ausgestattete Innenraum. Die ovale Grundfläche ist mit einem Moniergewölbe eingedeckt, in das acht Nischen mit Stichkappen einschneiden. Der zehn Meter hohe Saal ist bis in drei Meter Höhe mit dunkelrot gebeiztem Eichenholz eingetäfelt. Nischen und Konchen wurden blau gefärbt, das Deckengewölbe grün. Die geschwungenen floralen Elemente der Ausmahlungen verweisen auf Anleihen beim Jugendstil.

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Das Gebäude der Sächsischen Staatskanzlei

Historische Fotos

Große Lichthalle im Ministerium des Innern

Große Lichthalle im Ministerium des Innern

Vorhalle im ersten Obergeschoss des Kultusministeriums

Vorhalle im ersten Obergeschoss des Kultusministeriums

Großer Sitzungssaal im ersten Obergeschoss des Ministeriums des Innern

Großer Sitzungssaal im ersten Obergeschoss des Ministeriums des Innern

Blick auf das Oberlicht in der großen Mittelhalle

Blick auf das Oberlicht in der großen Mittelhalle

Bürgerbüro beim Ministerpräsidenten

Das Bürgerbüro des Ministerpräsidenten

© Sächsische Staatskanzlei